Home
Wir über uns
Aktuelles
Jahresprogramm 2017
Bilder-Galerie
Statuten
Kontakt
Links
   
 


Am 17.Februar 2015 fand in Salez ein Info-Nachmittag zum Thema Kirschessigfliege (nachfolgend KEF genannt) statt. Patrik Kehrli von Agroscope und Markus Hardegger vom landw. Zentrum Salez orientierten über neue Erkenntnisse und Forschungen und die Situation in den Rebbergen der Ostschweiz im Speziellen.

Nachfolgend möchte ich das Wesentliche wiedergeben.

Nur gerade 3mm gross ist diese aus dem asiatischen Raum eingeschleppte Fliege. Und doch ist sie  ein Ungeheuer für alle Beeren-, Kirschen-  und Rebbauern.
Bekannt ist die KEF in der Schweiz seit 2011. Sie hat es abgesehen auf gesunde Beeren, Steinobst und Trauben. Im Winter zieht sie sich zurück in den Wald, ins Gebüsch oder in bewachsene Efeu-Mauern. Die Fliege - also nicht das Ei oder die Larve - überlebt. Hätten wir eiskalte Wintertage wie früher, wäre es ein Leichtes, diesem Schädling den Garaus zu machen. Ideal  wären mehrere Wintertage mit Dauerfrost von -5 bis -10° Celsius. Dann würde die gesamte Population zugrunde gehen.
Ab 5° Celsius ist sie auch im Winter aktiv auf Nahrungssuche. Die frühreifen, süssen und dünnhäutigen Beeren sind ihre erste Beute. Die Eier legt sie unter die Haut der Beeren. Ab diesem Moment geht alles sehr rasch. Der Lebenszyklus einer KEF beträgt lediglich 10 - 30 Tage. Und der kann sich bis 7x pro Jahr wiederholen. Zu bedenken ist auch, dass jede Fliege ca. 200 weibliche Nachkommen produziert. Die KEF (Drosophila suzukii) gehört zur Familie der Taufliege. Davon gibt es weltweit 400 Arten, wovon in Europa ca. 70.
Achtung: Die KEF ist nicht verantwortlich für jede Essigbeere. Die meisten der ungeniessbaren Beeren wurden von heimischen Fruchtfliegen oder Essigfliegen traktiert. Auch Vögel verursachen Schäden an den Beeren, wenn sie sich beim Stibitzen mit den Krallen an der Traube festhalten. Die KEF interessiert sich überhaupt nicht für bereits geschädigte Traubenbeeren! Unsere Traubensorte heisst Cabernet Jura und gehört eher zu den dickhäutigeren Trauben. Also entspricht sie nicht dem idealen Beuteschema der KEF. Schäden durch die KEF sind aber auch da nicht ganz ausgeschlossen.

Abwehrmassnahmen:
Grundsätzlich gibt’s noch kein taugliches Mittel gegen diese Biester. Denn aus Erfahrung weiss man, dass chemische Spritzmittel auch den Nützlingen den Garaus machen. Also ein Unsinn, diese einzusetzen. Eingesetzt wurde 2014 z.T. Steinmehl  oder Löschkalk in Form einer Spritzlösung. Der Erfolg war aber eher bescheiden. Die Fallen – wie wir sie auch eingesetzt haben – taugen zur wirkungsvollen Bekämpfung ebenfalls wenig. Sie dienen lediglich zu Kontrollzwecken. Die Falle kann überall aufgehängt werden. Agroscope hat mitten in der Stadt auf einem grossen Parkplatz Fallen platziert. Es waren mehr Fliegen da drinnen, als in den Fallen im Wald oder im Rebberg.
Möglicherweise bieten Hagel- und Vogelschutznetze auch einen gewissen Schutz. Mindestens  könnte der Einflug behindert werden. Andererseits herrscht zwischen den Netzen ein Klima, das die KEF eher anzieht. Da ist man noch am Forschen.

Was sind die vorbeugenden Massnahmen im Jahre 2015:
-        Frühzeitige Ertragsregulierung
-        Mulchen oder entsorgen von abgeschnitten Trauben
-        Angepasste Entlaubung der Traubenzone
-        Niedrige  Begrünung
-        Netze vertikal, beidseitig wie bereits in Anwendung

Eine Rolle spielt letztendlich immer auch das Wetter.
Schlechte Wetterbedingungen (Nässe, Kälte, zu wenig Sonnenschein) haben einen Einfluss auf das Traubengut. Gesunde und kräftige Stöcke bleiben von der KEF erfahrungsgemäss eher verschont.

Walter Jung